Human Centric Lighting in der Industrie

An der Maschine oder bei der Montage: Human Centric Lighting (HCL) sorgt für Licht am Arbeitsplatz, Mitarbeiter in der Industrie sind mit HCL wacher und konzentrierter. Zudem können sie besser schlafen, sind deshalb tagsüber ausgeruhter. 

Mehr Wohlbefinden für Schichtarbeiter

Viele Menschen arbeiten im Schichtbetrieb. Diese Arbeitsform stellt hohe Anforderungen an den menschlichen Körper. Und immer mehr Menschen, die zu unregelmäßigen Zeiten arbeiten müssen, leiden unter dem sogenannten „Schichtarbeitersyndrom“: Ihr Biorhythmus ist durcheinander; sie schlafen schlecht und sind tagsüber müde. 

Beleuchtungsanlagen in der Industrie sind in der Regel zwar korrekt nach der alten Beleuchtungsnorm DIN EN 12464-1 geplant, berücksichtigen damit aber lediglich die visuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter. Die Erkenntnis, dass Licht auch eine biologische Wirkung auf den Menschen hat, wurde 2012 bei der Neufassung der DIN EN 12464-1 aufgenommen. Damit gilt auch die Veränderbarkeit von Licht als Gütemerkmal der Beleuchtung – und wird seitdem bei Lichtplanungen berücksichtigt.

Neue dynamische Beleuchtungsanlagen in Industriebetrieben belegen, dass eine Beleuchtung mit biologisch wirksamem Licht mehrfach positiv wirkt:

  • Das Wohlbefinden der Schichtarbeiter steigt ebenso wie die Schlafqualität.
  • Ihre Konzentration steigt und damit auch die Sicherheit am Arbeitsplatz.
  • Sie sind motivierter und produktiver.

Mit biologisch wirksamem Licht steigt die Leistung

Bei einer interdisziplinär angelegten Studie aus Österreich wurden zwei dynamische Beleuchtungsszenarien für die Allgemeinbeleuchtung gewählt. Beide Male variierte die Beleuchtungsstärke von 1.000 bis zu biologisch wirksamen 2.000 Lux. Während die Helligkeit sich bei der ersten Versuchsanordnung deutlich wahrnehmbar in längeren Zeitintervallen veränderte, wurden in einem zweiten Projekt Helligkeitsdynamiken mit kurzen Zeitintervallen getestet, die für die Schichtarbeiter nicht wahrnehmbar waren.

Beide Untersuchungen zeigen, dass dynamisches Licht einen positiven Einfluss auf die psycho- und physiologische Befindlichkeit der Mitarbeiter hat: Die Mitarbeiter sind während der Arbeit leistungsfähiger und profitieren von einer besseren Schlafqualität. 

Mitarbeiter wählen höhere Beleuchtungsstärken

Eine tageslichtabhängige Lichtsteuerung regelt Kunstlicht nach Bedarf und spart viel Energie.

Eine Studie aus Finnland zeigt, dass Mitarbeiter generell höhere Beleuchtungsstärken wählen würden, wenn sie die Wahl hätten. Für die Untersuchung haben die Wissenschaftler eine Beleuchtungsanlage installiert, die für jeden Arbeitsplatz individuell und stufenlos bis 3.000 Lux regelbar ist.

Fazit: 48 von 49 Monteuren wählen deutlich höhere Beleuchtungsstärken, obwohl bereits 500 Lux die Sehaufgabe gut unterstützen. Der Grund muss auf die biologische Wirksamkeit der gewählten Beleuchtungsstärken zurückgeführt werden. Sie erleichtert nicht nur die Sehaufgaben, sondern steigert Konzentration, Leistung und das allgemeine Wohlbefinden.

Eine weitere Studie stützt diese Ergebnisse. Dabei haben Forscher Arbeitsplätze in einer Montagehalle unterschiedlich beleuchtet. Die Lichtbänder waren wahlweise auf 800 bis 1.200 Lux Beleuchtungsstärke einstellbar. Über einen Zeitraum von 14 Monaten wechselte die Beleuchtungsstärke unregelmäßig von Schicht zu Schicht.

Das Resultat: Bei mehr Licht wurde das gleiche Produkt durchschnittlich um 7,7 Prozent schneller gefertigt.

Kosteneffiziente Lösungen

Auch am Industriearbeitsplatz unterstützt dynamische Beleuchtung den circadianen Rhythmus des Menschen. Kühlweißes Licht aktiviert morgens und und mittags, warmweißes Licht signalisiert am Schichtende den Übergang in die Ruhephase. 

In Industriehallen mit Fensterfronten oder Oberlichtern kann künstliches Licht dem Tageslicht flexibel hinzugeregelt werden. Das spart Energie und Kosten. Voraussetzung für dynamische Lösungen sind elektronisch steuerbare Leuchtensysteme, die warmweißes Licht mit tageslichtweißem kombinieren.

Alternativ können bestehende Beleuchtungsanlagen mit entsprechendem Lichtmanagement auch mit Lichtquellen kühlerer Farbtemperaturen ab 6.500 Kelvin nachgerüstet werden. Bei einem Wechsel des Leuchtmittels muss darauf geachtet werden, dass der vorgeschriebene Wartungswert der Beleuchtung eingehalten wird.

Beleuchtung in der Produktion

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