Lichtmanagement im Büro: Motivation und Funktionalität

Wechselnde Tätigkeiten wie Schreibtischarbeit, Teambesprechung oder Telefonkonferenz gehören im modernen Büro zur Tagesordnung. Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten sind Bürowelten, in denen der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Perfektes Lichtmanagement unterstützt das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit durch angenehme, komfortabel nutzbare und individuell anzupassende Beleuchtung.


Licht ist für die Gestaltung moderner Arbeitsplätze ein wesentlicher Faktor: Es schafft die Voraussetzungen für gutes Sehen und eine angenehme Atmosphäre. Die Beleuchtung an einem Büroarbeitsplatz muss nicht nur den relevanten (Beleuchtungs-)Normen genügen, sie sollte auch unterschiedliche Anforderungen berücksichtigen. Insbesondere Arbeitsplatz- oder Stehleuchten erlauben eine individuelle Beleuchtung an jedem einzelnen Arbeitsplatz. Der jeweilige Mitarbeiter kann nach Bedarf dann zusätzliches Licht einschalten. Vor allem in Büroräumen ohne ausreichend Tageslicht unterstützt biologisch wirksames Licht bzw. Human Centric Lighting (HCL) Wohlergehen und Leistungskraft.

Leuchten, die miteinander kommunizieren

Noch höher ist der Komfort, wenn Lichtmanagementsysteme zum Einsatz kommen, die Beleuchtung nach Bedarf, Anwesenheit und Tageszeit steuern und regeln. In Gruppen- und Open-Space-Büros ist z. B. darauf zu achten, dass durch unterschiedliche Präsenzzeiten keine „Lichtinseln" entstehen, bei denen der eigene Schreibtisch erhellt, der Rest des Raumes aber unbeleuchtet ist. Das kann durch intelligente, vernetzte Lichtmanagementsysteme verhindert werden: Sie lassen Leuchten, die verschiedenen Bereichen bzw. Gruppen zugeteilt sind, miteinander kommunizieren (Schwarmfunktion). Registriert eine Leuchte einer Gruppe Anwesenheit, meldet sie diese Information an die restlichen Gruppenmitglieder. Diese beleuchten dann die unmittelbare Büroumgebung auf einem angenehmen Grundniveau – für mehr Sicherheit und eine bessere Raumatmosphäre.

Mit einem Lichtmanagementsystem kann durch eine Reduzierung der Beleuchtungsstärke viel Energie eingespart werden. Eine gute Grundbeleuchtung sichert die von den gültigen Beleuchtungsnormen geforderte Ausgewogenheit der Leuchtdichteverhältnisse innerhalb eines Raumes. Das Lichtmanagementsystem der Beispielgrafik enthält drei Zonen mit je zwei Stehleuchten sowie automatisch schaltende Leuchten, die bei Anwesenheit im Regelbetrieb arbeiten und ansonsten – wenn keine Präsenz erfasst wird – eine Mindesthelligkeit garantieren. Das System ist funkbasiert und eignet sich auch für Sanierungen.

Flexible Beleuchtung für Besprechungsräume

Moderne Lichtsteuerung in Besprechungszimmern und Konferenzräumen ermöglicht eine flexible, funktionsbezogene Beleuchtung. Diverse Lichtfarben, Leuchtenarten sowie die Kombination aus direktem und indirektem Licht in unterschiedlicher Kombination gestatten eine breite Nutzung für verschiedenste Situationen und Aktivitäten: z. B. als Vortragslicht mit Rednerbeleuchtung, Licht für Beamerpräsentationen, funktionale Beleuchtung für konzentriertes Arbeiten oder anregende Beleuchtung für kreatives Brainstorming. Mit DALI-basierten Lichtmanagementsystemen lassen sich vordefinierte, auf die jeweilige Nutzung angepasste Lichtszenen und Beleuchtungseffekte realisieren, intuitiv und einfach auf Knopfdruck.

Effiziente Beleuchtung für Flure und Treppen

Eine Energieeinsparung von 66 Prozent lässt sich erzielen, wenn die Beleuchtung nach Anwesenheit automatisch geregelt wird. Die Beispielrechnung berücksichtigt eine Leuchte mit integriertem DALI-Steuergerät (= Masterleuchte), Sensoren mit überlappenden Erfassungsbereichen und automatisch einschaltende, dimmbare Leuchten. Sie bieten zehn Prozent Grundbeleuchtung bei Abwesenheit nach kurzer Haltezeit. Die Anschlussleistung der Leuchten beträgt 6 x 20 Watt = 120 Watt ingesamt; die Anschlussleistung des Lichtmanagementsystems 3 Watt.

Korridore und Treppen zählen zu den Verkehrsflächen gemäß DIN V 18599-10. Mit einer relativen Abwesenheitsrate von 80 Prozent eignen sie sich bestens für eine präsenz- und bewegungsgesteuerte Beleuchtungsregelung, die viel Energie spart. Weil LED-Leuchten robust gegenüber häufigem Schalten sind, eignen sie sich besonders gut im Zusammenspiel mit einem Lichtmanagementsystem.

Eine tageslichtabhängige Regelung lohnt sich in Fluren und Treppenhäusern auch bei guter Tageslichtversorgung in der Regel nicht, da sie nur 20 Prozent der Zeit aktiv wäre. Sinnvoll ist hier ein Schwellwertschalter, der das Tageslicht misst und die künstliche Beleuchtung nur dann einschaltet, wenn er Bewegung erfasst und das Tageslicht nicht ausreicht. Weiterhin empfiehlt licht.de eine automatische Einschaltung des Lichts, da Flure oft auch Transportwege sind und häufig keine Hand frei ist, um einen Lichtschalter zu bedienen.

Der Erfassungsbereich der Sensoren sollte so ausgelegt sein, dass bei Betreten des Flurs durch eine beliebige Tür das Licht sicher einschaltet – und erst wieder ausschaltet, wenn sich nach einer zuvor festgelegten Zeitspanne keine Person mehr im Flur befindet. Alternativ kann bei Abwesenheit das Beleuchtungsniveau auf eine Grundbeleuchtung gesenkt werden. Dies ist insbesondere sinnvoll, wenn z. B. in verwinkelten Fluren die Erfassung durch Sensoren kritisch ist.

Entspannendes Licht für Sozial- und Aufenthaltsräume

Pausenräume, Teeküchen, Kantinen und ähnliche Bereiche dienen der Regeneration und Entspannung. Eine Beleuchtung nach dem Human-Centric-Lighting-Konzept (HCL) – dynamisch in Lichtstärke und Lichtfarbe der Tageszeit angepasst –, trägt zu Erholung und Wohlergehen bei.

In diesen Bereichen bietet sich eine Anwesenheitserfassung mit manueller Schaltung per Taster an. Eine automatische Schaltung ist hier nicht erforderlich und verringert das Einsparpotenzial.

Tageslichtabhängige Regelung empfiehlt sich, sofern die Räume gut mit Tageslicht versorgt sind. Die Anwesenheitssensoren werden für eine gute Erfassung am besten im Aufenthaltsbereich positioniert. Die Ausschaltverzögerung darf nicht zu kurz gewählt werden, da in Ruhepausen häufig wenig Bewegung zu verzeichnen ist. 

Tipps für Neubau und Sanierung

In Neubauten von Bürogebäuden können Lichtmanagementsysteme von Anfang an in die Planungen einbezogen und drahtgebundene Systeme bereits während des Baus berücksichtigt werden. Der Einsatz der etablierten DALI-Schnittstelle ermöglicht in diesem Zusammenhang die Nutzung verschiedenster Leuchten: von fest installierten Decken- und Pendelleuchten bis hin zu flexiblen Stehleuchten.

Auch in Bestandsbauten können Lichtmanagementsysteme ohne aufwendige und kostenintensive Sanierungen eingesetzt werden. Dabei sind vor allem funkbasierte Systeme von Vorteil, die auf Intelligenz in den Leuchten setzen. Diese autarken Leuchtensysteme mit integrierter Sensorik erlauben bei Bedarf ebenfalls eine Anbindung an ein bestehendes Gebäudemanagement. Damit lässt sich der häufig vorhandene Tageslichtanteil gewinnbringend nutzen und die Energiebilanz des Gebäudes verbessern. 

Das könnte Sie auch interessieren

Zurück